Welche Texte gehören wirklich auf eine Webseite — Pflicht und Kür
Was muss auf deine Webseite, was ist optional? Eine ehrliche Übersicht für lokale Geschäfte ohne Fülltext-Bingo.
Norbert Sommer
17. August 20268 Min. Lesezeit
Die meiste Zeit beim Webseite-Erstellen geht nicht für Design drauf — sondern für Texte. Entweder du weißt nicht, was du schreiben sollst, du schreibst zu viel vom Falschen, oder du lässt wichtige Dinge einfach weg. Das kostet dich Kunden. Dieser Artikel erklärt, welche Texte wirklich notwendig sind, welche dir einen Vorteil verschaffen und welche du getrost weglassen kannst.
Warum Texte wichtiger sind als das Design
Wenn jemand auf deiner Webseite landet, hat er eine einzige Frage: Bin ich hier richtig? Die beantwortet kein Bild, kein Logo und kein Farbschema. Die beantwortet ein Satz. Genauer gesagt: deine Überschrift.
Design schafft Vertrauen. Texte schaffen Klarheit. Und Klarheit kommt zuerst.
Ein Friseursalon in der Heidelberger Altstadt, der auf seiner Startseite mit „Herzlich willkommen bei uns" beginnt, verschenkt die erste und wichtigste Zeile. Ein Café in der Bahnstadt, das seinen Öffnungszeiten einen halben Satz widmet, verliert täglich potenzielle Gäste, die einfach nicht herausfinden, wann geöffnet ist.
Das sind keine Design-Probleme. Das sind Text-Probleme.
Die 5 Pflicht-Texte — ohne die deine Webseite nicht funktioniert
Egal ob Handwerksbetrieb, Praxis, Salon oder Laden: Diese fünf Textelemente müssen auf jeder lokalen Webseite stehen. Nicht irgendwo versteckt, sondern so, dass sie jemand findet, der drei Sekunden Zeit hat.
1. Das Leistungsversprechen (Hero-Text)
Das ist der wichtigste Text deiner ganzen Webseite. Er steht ganz oben, oft kombiniert mit einer Überschrift und einem kurzen Untertext. Er beantwortet drei Fragen auf einmal:
- Was bietest du an?
- Für wen?
- Wo?
Schlecht: „Willkommen bei Friseursalon Müller"
Besser: „Haarschnitte und Colorationen in Heidelberg-Handschuhsheim — ohne lange Wartezeiten, mit Online-Buchung"
Der zweite Satz ist nicht schöner. Er ist nützlicher. Das ist der Unterschied.
2. Leistungsübersicht
Eine klare, strukturierte Auflistung dessen, was du anbietest. Keine Romane. Keine Adjektive. Nur konkrete Leistungen, am besten mit kurzer Erklärung, wann sie relevant sind.
| Leistung | Kurzbeschreibung | Wer fragt danach? |
|---|---|---|
| Herrenhaarschnitt | ab 28 €, inkl. Waschen und Föhnen | Stammkunden, Erstbesucher |
| Colorationen | Balayage, Strähnchen, Vollcoloration | Frauen 25–55 |
| Kinderhaarschnitt | bis 12 Jahre, ab 18 € | Eltern mit Kindern |
Dieses Prinzip funktioniert für jeden Betrieb. Beim Elektriker: Leistung, Einsatzgebiet, grober Zeitaufwand. Beim Zahnarzt: Behandlung, für wen geeignet, ob Kassenleistung oder privat.
3. Kontakt und Erreichbarkeit
Adresse, Telefonnummer, E-Mail, Öffnungszeiten — vollständig und aktuell. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Ich sehe regelmäßig Webseiten, bei denen die Öffnungszeiten veraltet sind, die Telefonnummer fehlt oder die Adresse nur im Impressum steht, aber nirgendwo auf der Startseite.
Faustregel: Wer auf seinem Handy auf deine Seite kommt, muss deine Telefonnummer mit einem Tipp anrufen können — ohne scrollen, ohne suchen.
4. Vertrauenssignale
Menschen kaufen bei Menschen, denen sie vertrauen. Online funktioniert Vertrauen über drei Dinge:
- Echte Kundenbewertungen (am besten eingebettet oder verlinkt mit Google)
- Ein echtes Foto von dir oder deinem Team — kein Stockfoto
- Ein kurzer Text darüber, wer du bist — nicht dein Lebenslauf, sondern warum du das machst
Letzteres unterschätzen viele. „Ich bin Norbert, Elektriker aus Heidelberg, seit 2009 selbstständig" ist besser als drei Absätze über „ganzheitliche Lösungen mit Kundenfokus".
5. Impressum und Datenschutz
Das ist keine Kür, das ist gesetzliche Pflicht. Impressum muss auf jeder kommerziellen Webseite vorhanden und leicht auffindbar sein. Datenschutzerklärung ebenso. Wer das weglässt, riskiert eine Abmahnung — und das ist in Deutschland kein theoretisches Risiko.
Falls du mehr darüber wissen möchtest, was eine DSGVO-konforme Webseite ausmacht: Was bedeutet DSGVO-konforme Webseite? — da habe ich das ausführlich aufgeschrieben.
Die Kür — was dir echten Vorsprung verschafft
Wenn die fünf Pflicht-Texte stehen, kannst du anfangen, mehr aus deiner Webseite herauszuholen. Das hier sind keine Muss-Elemente, aber sie machen den Unterschied zwischen einer Webseite, die funktioniert, und einer, die wirklich gut funktioniert.
FAQs — die unterschätzte Geheimwaffe
Häufige Fragen deiner Kunden, schriftlich beantwortet. Das hat zwei Vorteile: Erstens sparst du dir Anrufe für immer gleiche Fragen. Zweitens liebt Google FAQs, weil sie exakt das enthalten, was Menschen suchen.
Typische FAQ-Themen für lokale Betriebe:
- „Muss ich einen Termin machen oder kann ich auch einfach vorbeikommen?"
- „Parken Sie in der Nähe?"
- „Nehmen Sie auch Kartenzahlung?"
- „Wie lange dauert eine [Behandlung/Reparatur/Beratung] ungefähr?"
Das sind keine aufwendigen Texte. Jede Antwort darf zwei bis vier Sätze lang sein.
Über-mich-Text mit echter Geschichte
Nicht: „Unser Unternehmen wurde 2009 gegründet mit dem Ziel, höchste Qualität zu liefern."
Sondern: „Ich habe 12 Jahre bei einem großen Sanitärbetrieb gearbeitet, bevor ich 2018 in Heidelberg-Neuenheim meinen eigenen Betrieb aufgemacht habe. Warum? Weil ich wollte, dass Kunden wissen, wer ihnen die Tür öffnet."
Das ist keine Prosa-Übung. Das ist der Unterschied zwischen einem gesichtslosen Anbieter und einem Menschen, dem man vertraut.
Lokale Bezüge
Wer in Heidelberg arbeitet und auf seiner Webseite nie das Wort „Heidelberg" erwähnt, verschenkt Sichtbarkeit. Nicht nur bei Google, sondern auch im Kopf der Leser. Menschen möchten wissen, ob du jemand aus ihrer Stadt bist oder ein anonymer Anbieter.
Das muss nicht aufgesetzt klingen. Statt „Wir bedienen Kunden in der Metropolregion Rhein-Neckar" lieber: „Ich fahre für Hausbesuche nach Heidelberg, Mannheim und Wiesloch — in der Regel innerhalb von zwei Werktagen."
Blog oder Journal
Regelmäßige Artikel zu Themen, die deine Kunden beschäftigen. Das ist Langzeitarbeit, die sich auszahlt. Nicht weil du damit „Content Marketing" betreibst, sondern weil jeder Artikel eine weitere Chance ist, bei Google gefunden zu werden — für Suchanfragen, die deine Hauptseite nie abdecken würde.
Für einen Friseur in Heidelberg wäre das zum Beispiel: „Wie oft sollte man zum Friseur gehen?" oder „Balayage oder klassische Strähnchen — was passt zu mir?" Nicht glamourös, aber wirksam.
Was du weglassen kannst
Kurze Ehrlichkeit: Es gibt Texte, die auf vielen Webseiten stehen und dort nichts verloren haben.
Weglassen oder stark kürzen:
- Lange Unternehmensphistorie, die niemanden außer dir interessiert
- Listen von Zertifikaten und Mitgliedschaften, die für den Kunden keine Relevanz haben
- „Unsere Vision"-Texte für Betriebe mit unter 10 Mitarbeitern
- Füllsätze wie „Wir freuen uns auf Ihren Besuch" am Ende jeder Seite
- Doppelte Inhalte: wenn du auf drei Seiten dasselbe schreibst, nur in anderen Worten
Faustregel: Wenn ein Text nichts beantwortet, nichts erklärt und nichts auslöst — weg damit. Leerer Platz ist besser als leerer Text.
Wie viel Text ist genug?
Das hängt von der Seite ab. Eine Startseite braucht keinen Roman. Eine Leistungsseite darf ausführlicher sein. Eine FAQ-Seite lebt von Vollständigkeit.
Als grobe Orientierung:
| Seite | Empfohlene Textmenge |
|---|---|
| Startseite | 200–400 Wörter (ohne FAQ) |
| Leistungsseite | 300–600 Wörter pro Leistung |
| Über-mich | 150–300 Wörter |
| FAQ | 5–10 Fragen, je 50–100 Wörter |
| Kontakt | Nur Fakten, kein Fließtext nötig |
| Blog-Artikel | 600–1500 Wörter je nach Thema |
Das sind keine heiligen Zahlen. Aber sie helfen, das richtige Gefühl zu entwickeln. Wer seine Startseite mit 1.200 Wörtern füllt, erschlägt den Leser. Wer eine Leistungsseite mit 80 Wörtern abhandelt, gibt Google und dem Kunden zu wenig.
Texte und SEO — kurze Einordnung
Google kann keine Bilder lesen. Google liest Texte. Das heißt: Jede Seite, die kein Keyword enthält, nach dem deine Kunden suchen, hat bei Google kaum eine Chance.
Das bedeutet nicht, dass du Texte mit Keywords vollstopfen sollst. Es bedeutet, dass du die Sprache deiner Kunden benutzen sollst. Wer nach einem „Elektriker Heidelberg Notfall" sucht, soll diese Worte auch auf deiner Seite finden — in einem echten Satz, nicht als Liste.
Wie das im Detail funktioniert, und warum deine Webseite dabei auf dem Handy besonders wichtig ist, erklärt der Artikel Mobile-First — warum deine Webseite auf dem Handy entscheidet.
Texte selbst schreiben oder schreiben lassen?
Beides ist möglich, beides hat Vor- und Nachteile.
Selbst schreiben heißt: Du kennst dein Handwerk, deine Kunden, deine Stärken — niemand kann das besser formulieren als du. Nachteil: Es dauert, und die meisten Selbstständigen unterschätzen das erheblich.
Schreiben lassen heißt: Du gibst die Kontrolle ab. Der Texter weiß viel über Texten, wenig über dein Geschäft. Das Ergebnis klingt oft glatt, aber austauschbar.
Der beste Weg: Du lieferst die Rohinformationen, jemand anderes bringt sie in Form. Genau so arbeite ich bei seivio mit meinen Kunden aus Heidelberg und Umgebung — du erzählst mir, was du machst und für wen, ich übersetze das in Webseiten-Texte, die funktionieren.
Du willst wissen, was auf deine Webseite gehört — und was du lieber weglässt? Schreib mir kurz, was du anbietest, und ich schaue mir das gemeinsam mit dir an.