Webseite oder Google-Profil — brauchst du beides für dein lokales Geschäft?
Reicht ein Google-Unternehmensprofil, oder braucht dein Laden eine eigene Webseite? Eine ehrliche Einschätzung für lokale Geschäfte.
Norbert Sommer
01. Juni 20267 Min. Lesezeit
„Mein Google-Profil läuft doch gut — wozu brauche ich dann noch eine Webseite?" Diese Frage höre ich regelmäßig. Und sie ist berechtigt. Ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil bringt Sichtbarkeit, Bewertungen und Anrufe. Aber es hat Grenzen, die dir im falschen Moment fehlen. Wer sich nur auf Google verlässt, baut sein Geschäft auf fremdem Boden.
Was ein Google-Profil wirklich kann
Fangen wir ehrlich an: Ein Google-Unternehmensprofil (früher „Google My Business") ist das mächtigste kostenlose Werkzeug für lokale Geschäfte. Wenn jemand in Heidelberg nach einem Friseur in Handschuhsheim sucht oder nach einem Klempner in der Bahnstadt, erscheinen zuerst die Profile im sogenannten Local Pack — die drei Einträge mit Karte, die oben auf der Google-Ergebnisseite stehen.
Das Profil zeigt:
- Öffnungszeiten — automatisch aktuell, wenn du sie pflegst
- Adresse und Navigation — ein Klick, und der Kunde steht vor deiner Tür
- Telefonnummer — Anruf direkt aus der Suche, ohne Umweg
- Bewertungen — soziale Beweise, die Vertrauen schaffen
- Fotos — der erste visuelle Eindruck
- Kurzbeiträge — Aktionen, Neuigkeiten, Angebote
Für Laufkundschaft, spontane Suchen und Menschen, die nur eine Telefonnummer brauchen, ist das Google-Profil oft genug. Ein Döner-Imbiss in der Altstadt braucht vielleicht keine Webseite. Ein Nagelstudio, das ausschließlich über Instagram bucht, kommt damit auch durch.
Wo das Google-Profil aufhört
Das Problem: Du bist Mieter, kein Eigentümer. Google entscheidet, was angezeigt wird, wie es aussieht und ob dein Profil morgen noch existiert. Profile werden gesperrt, Daten falsch angezeigt, Konkurrenten können unberechtigte Änderungen vorschlagen. Das passiert. Nicht oft — aber es passiert.
Außerdem kannst du im Profil nicht erzählen, wer du bist. Du bekommst kein „Über uns", keine ausführliche Leistungsbeschreibung, keine Preisübersicht, keinen Buchungsablauf, keine Referenzen. Alles, was Vertrauen über den ersten Klick hinaus aufbaut, fehlt.
Faustregel: Das Google-Profil holt den Kunden bis zur Tür. Die Webseite überzeugt ihn reinzugehen.
Das ist kein abstraktes Bild. Stell dir vor, du suchst einen Steuerberater in Heidelberg-Neuenheim. Du siehst drei Einträge mit ähnlichen Bewertungen. Auf welchen klickst du? Auf den mit einer verlinkten Webseite, die dir Kompetenz, Leistungen und vielleicht sogar Preise zeigt — oder auf den, der dich zu einer leeren Google-Seite führt?
Die ehrliche Vergleichstabelle
| Kriterium | Google-Profil | Eigene Webseite |
|---|---|---|
| Sichtbarkeit in lokalen Suchen | ✅ Sehr hoch | ✅ Ergänzend (SEO) |
| Kosten | Kostenlos | Ab 300 € (Festpreis bei seivio) |
| Kontrolle über Inhalte | ❌ Begrenzt | ✅ Vollständig |
| Vertrauen & Seriosität | Mittel | Hoch |
| Ausführliche Leistungsbeschreibung | ❌ Nein | ✅ Ja |
| Online-Terminbuchung | Eingeschränkt | ✅ Möglich |
| DSGVO-konformes Impressum | ❌ Nicht möglich | ✅ Pflicht und machbar |
| Unabhängigkeit von Google | ❌ Nein | ✅ Ja |
| Eigene Domain (Branding) | ❌ Nein | ✅ Ja |
| Auffindbarkeit bei gezielter Suche nach dir | Begrenzt | ✅ Direkt |
Die Tabelle zeigt: Es ist keine Entweder-oder-Frage. Beide Kanäle haben Stärken, die sich gegenseitig ergänzen.
Wann das Google-Profil allein reicht
Es gibt Situationen, in denen eine eigene Webseite zunächst warten kann:
Du bist gerade am Anfang. Wenn du dein Geschäft gerade erst anmeldest und kein Budget hast, ist ein vollständig ausgefülltes Google-Profil der schnellste Weg zur ersten Sichtbarkeit. Besser ein gepflegtes Profil als eine halbfertige Webseite.
Dein Geschäftsmodell funktioniert ohne Webseite. Manche Konzepte — Foodtrucks, kleine Kioske, Märkte — leben von Laufkundschaft und Social Media. Hier bringt eine Webseite oft keinen messbaren Mehrwert.
Du buchst ausschließlich über andere Plattformen. Wer seine Termine über Treatwell, BookSy oder Airbnb abwickelt, braucht keine eigene Buchungsseite. Das Google-Profil verlinkt direkt dorthin.
Wann du beides brauchst — und das ist die Mehrheit
Für die meisten Geschäfte in Heidelberg — Handwerker, Friseure, Therapeuten, Anwälte, Cafés, kleine Läden — ist beides sinnvoll. Und zwar aus konkreten Gründen:
1. Das Impressum ist Pflicht. Jedes gewerbliche Angebot im Internet braucht ein vollständiges Impressum. Das Google-Profil kann das nicht leisten. Wer kein Impressum hat, riskiert Abmahnungen. Das ist kein Hirngespinst — das passiert.
2. Google verlinkt auf deine Webseite. Wenn du eine Webseite hast, erscheint der Link direkt im Profil. Das erhöht die Klickrate und gibt Suchenden einen direkten Weg zu mehr Informationen.
3. Du rankst für mehr Suchbegriffe. Das Google-Profil rankt vor allem für „Branche + Ort"-Suchen. Eine Webseite kann auch für spezifischere Fragen ranken: „Kosten Küchenmontage Heidelberg", „Friseur für Naturlocken Handschuhsheim", „Café mit Laptopplätzen Bahnstadt". Das ist wertvoller Traffic, den du mit einem Profil allein nicht bekommst.
4. Du baust Vertrauen auf. Eine Webseite gibt dir Raum, dich zu zeigen. Wer du bist, wie du arbeitest, was du kostest, was Kunden sagen. Das ist für Dienstleistungen mit höherem Vertrauensbedarf — Therapeuten, Ärzte, Rechtsanwälte, Handwerker — fast unverzichtbar. Ich habe das in unserem Artikel zur Webseite für Arztpraxen ausführlicher beschrieben.
5. Du bist unabhängig. Das ist der unterschätzte Punkt. Deine eigene Domain gehört dir. Dein Google-Profil gehört Google.
Was eine Webseite für lokale Geschäfte kosten muss — und was nicht
Eine häufige Ausrede: „Das ist mir zu teuer." Das stimmt oft nicht mehr. Bei seivio gibt es Webseiten für lokale Geschäfte ab 300 Euro Festpreis — kein Stundensatz, kein Preisroulette. Was genau in diesem Preis drinsteckt und was Webseiten im Allgemeinen kosten, habe ich im Artikel Was kostet eine Webseite 2026? aufgeschlüsselt.
Eine einfache, schnell ladende Webseite mit Impressum, Leistungen, Kontaktformular und Verknüpfung zum Google-Profil ist für die meisten lokalen Geschäfte vollkommen ausreichend. Kein Online-Shop, kein Mitgliederbereich, keine App. Nur das, was Kunden brauchen, um sich zu entscheiden.
Die praktische Empfehlung für Heidelberger Geschäfte
Hier ist meine ehrliche Einschätzung nach Kategorie:
- Friseur, Kosmetik, Massage: Beides. Das Profil für spontane Suchen, die Webseite für Terminbuchung und Vertrauen.
- Handwerker: Beides. Handwerker kommen fast ausschließlich über Google Maps — aber ein Link auf eine seriöse Webseite erhöht die Auftragschancen deutlich.
- Café, Restaurant: Beides. Speisekarte, Öffnungszeiten und Reservierung gehören auf eine Webseite — nicht nur als PDF-Scan.
- Einzelhandel (Laden): Profil als Minimum, Webseite wenn du bestimmte Produkte oder Aktionen zeigen willst.
- Freiberufler, Berater, Therapeuten: Webseite fast immer Pflicht. Das Profil allein reicht hier nicht.
- Vereine: Sonderfall — dazu schreibe ich demnächst einen eigenen Artikel.
Profil und Webseite zusammen: So funktioniert das Zusammenspiel
Das Google-Profil und die Webseite sind kein Wettbewerb. Sie arbeiten zusammen:
- Jemand sucht nach „Elektriker Heidelberg Neuenheim"
- Dein Google-Profil erscheint im Local Pack mit Bewertungen und Telefonnummer
- Wer mehr wissen will, klickt auf den Webseiten-Link
- Die Webseite zeigt Referenzen, Leistungen, ein Kontaktformular
- Der Kunde ruft an oder schreibt — und du bekommst den Auftrag
Wenn du nur das Profil hast, verlierst du alle, die mehr wissen wollen, bevor sie anrufen. Und das sind nicht wenige.
Wenn du nur die Webseite hast und kein gepflegtes Profil, erscheinst du in lokalen Suchen kaum. Dann hilft die beste Webseite wenig.
Als Webdesigner in Heidelberg sehe ich regelmäßig beide Extreme: Geschäfte mit einem tollen Profil und keiner Webseite — und Geschäfte mit einer Webseite, die niemand findet, weil das Google-Profil vernachlässigt wurde. Beides ist vermeidbar.
Das Fazit in einem Satz
Wenn du ein lokales Geschäft in Heidelberg betreibst und ernsthaft Kunden gewinnen willst: Richte beides ein, pflege beides, und verknüpfe es miteinander. Der Aufwand ist überschaubar, der Unterschied ist real.
Du weißt noch nicht, wo du anfangen sollst — mit dem Google-Profil oder der Webseite? Schreib mir kurz, ich schau mir deine Situation kostenlos an und sage dir, was für dein Geschäft wirklich Sinn macht.