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Webseiten-Übergabe: 5 Dinge, die du als Inhaber wissen musst

Deine neue Webseite ist fertig — aber weißt du wirklich, was du jetzt in der Hand hältst? Diese 5 Punkte entscheiden darüber.

Norbert Sommer

23. Juli 20267 Min. Lesezeit

Die Webseite ist live. Die Agentur schickt dir eine E-Mail mit Zugangsdaten, vielleicht noch ein PDF mit Anleitungen, und dann — Stille. Viele Inhaber lokaler Geschäfte stehen in diesem Moment vor einem Haufen Informationen, die sie nicht einordnen können. Was gehört dir? Was musst du sichern? Und was passiert, wenn die Agentur morgen nicht mehr existiert?

Warum die Übergabe mehr ist als ein Passwort-PDF

Stell dir vor, du betreibst ein Café in der Heidelberger Altstadt. Deine Webseite läuft seit zwei Jahren gut, bringt regelmäßig Reservierungen rein. Dann meldet sich deine Agentur nicht mehr, antwortet nicht auf E-Mails. Du willst deine Öffnungszeiten ändern — aber du kommst nicht rein. Domain? Irgendwo registriert. Hosting? Keine Ahnung wo. CMS-Passwort? In einer E-Mail von vor zwei Jahren, die du längst gelöscht hast.

Das ist kein Extrembeispiel. Das passiert. Und es passiert nicht nur bei schlechten Agenturen — manchmal schließen Agenturen einfach, manchmal wechselst du den Anbieter, manchmal willst du selbst Hand anlegen. Wer bei der Übergabe nicht aufgepasst hat, zahlt doppelt.

Deshalb: Die folgenden 5 Punkte sind keine Empfehlung — sie sind Pflicht.

1. Die Domain gehört dir — nicht der Agentur

Die Domain ist deine Adresse im Netz. mein-cafe-heidelberg.de gehört dir. Punkt. Nicht der Agentur, nicht dem Hoster, nicht dem Freelancer.

Konkret heißt das: Du musst als Inhaber (Owner) bei dem Domain-Registrar eingetragen sein, bei dem die Domain registriert ist. Gängige Registrare sind IONOS, Hetzner, Strato, united-domains oder all-inkl. Du bekommst dort einen eigenen Account, mit deiner E-Mail-Adresse, deiner Zahlungsmethode.

Wenn die Agentur die Domain für dich registriert hat — was manchmal bequem ist, am Anfang — musst du bei der Übergabe ausdrücklich verlangen, dass die Domain auf deinen eigenen Account übertragen wird. Das nennt sich Domain-Transfer oder KK-Verfahren (Keeper-to-Keeper), und es dauert in der Regel 1–3 Werktage.

Faustregel: Wenn du nicht selbst in den Registrar-Account einloggen kannst und dort deine Kreditkarte hinterlegt ist, gehört dir die Domain nicht wirklich.

Warum ist das so wichtig? Weil die Domain dein Markenname im Netz ist. Verlierst du den Zugriff, verlierst du deine E-Mail-Adressen, deine Google-Rankings, dein gesamtes digitales Erscheinungsbild.

2. Hosting-Zugang: Wo liegt deine Webseite wirklich?

Hosting ist der Server, auf dem deine Webseite physisch liegt. Auch hier gilt: Du brauchst deinen eigenen Zugang. Kein gemeinsamer Account mit der Agentur, kein "wir regeln das für dich im Hintergrund".

Was du bei der Übergabe bekommen musst:

WasWozu
Hosting-Provider (Name)Damit du weißt, wen du anrufen kannst
Login-URL zum Control-Panel (z. B. Plesk, cPanel)Für direkten Zugriff
FTP/SFTP-ZugangsdatenFür Datei-Uploads und Backups
Datenbank-ZugangsdatenFalls du je eine Migration brauchst
Laufzeit des Vertrags und KündigungsfristDamit du nicht ungewollt verlängerst

Ein gutes Hosting für eine lokale Geschäftsseite in Deutschland kostet zwischen 5 und 15 Euro pro Monat. Wenn du nicht weißt, was du zahlst oder an wen — frag jetzt. Nicht in einem Jahr.

Mehr dazu, wo deine Seite 2026 wirklich liegen sollte, liest du im Artikel Webseiten-Wartung — was deine Agentur eigentlich tun sollte.

3. CMS-Zugang: Kannst du deine Seite selbst bearbeiten?

CMS steht für Content-Management-System — also die Oberfläche, über die du Texte, Bilder und Öffnungszeiten änderst. Gängige Systeme sind WordPress, Typo3, Webflow, Statamic oder auch proprietäre Lösungen der Agentur.

Bei der Übergabe brauchst du:

  • Einen Admin-Account mit deiner eigenen E-Mail-Adresse und einem Passwort, das du selbst kennst
  • Eine kurze Einweisung (30–60 Minuten reichen für die Grundlagen)
  • Schriftliche Dokumentation der wichtigsten Abläufe — zumindest: Wie ändere ich einen Text? Wie tausche ich ein Bild aus?

Wichtig: Dein Account sollte Administrator-Rechte haben, nicht nur "Editor" oder "Autor". Als Inhaber musst du im Zweifel selbst neue Nutzer anlegen, Plugins aktualisieren oder Notfallkorrekturen vornehmen können.

Was du nicht brauchst: ein Studium in Webentwicklung. Eine gut gebaute Webseite für ein lokales Geschäft — Friseur, Handwerker, Café, Praxis — lässt sich mit Grundkenntnissen selbst pflegen. Wenn die Agentur dir das ausredet oder sagt, das sei zu kompliziert für dich: Vorsicht.

4. Alle Inhalte und Dateien gehören dir

Texte, Fotos, Logos, Videos — alles, was auf deiner Webseite ist und von dir stammt oder für dich erstellt wurde, gehört dir. Das klingt selbstverständlich, ist aber bei der Übergabe oft unklar.

Konkret verlangst du:

  • Ein vollständiges Backup der Webseite (Dateien + Datenbank), gezippt, auf einem Medium deiner Wahl oder in einer Cloud
  • Alle Original-Bilddateien in guter Auflösung (nicht nur die komprimierten Web-Versionen)
  • Die Quelldateien für Logos oder Grafiken, falls die Agentur diese erstellt hat (z. B. als .svg, .ai oder .psd)
  • Eine Liste aller verwendeten Plugins, Lizenzen oder Drittanbieter-Tools — und wer dafür zahlt

Gerade bei Fotos ist Vorsicht geboten: Wenn die Agentur Stockfotos verwendet hat, liegt die Lizenz möglicherweise beim Agentur-Account. Kläre das schriftlich. Entweder du übernimmst die Lizenz auf deinen eigenen Account, oder die Bilder werden ausgetauscht.

Faustregel: Alles, was du nicht als Datei auf deinem eigenen Rechner hast, gehört dir noch nicht wirklich.

5. Ein Übergabe-Protokoll — auf Papier (oder als PDF)

Dieser Punkt klingt bürokratisch, rettet aber Nerven. Ein Übergabe-Protokoll ist eine einfache Liste aller übergebenen Zugänge, Zugangsdaten, Verträge und Verantwortlichkeiten — unterschrieben von beiden Seiten.

Was rein sollte:

  • Domain: Registrar, Account-E-Mail, Ablaufdatum
  • Hosting: Anbieter, Laufzeit, monatliche Kosten, Login
  • CMS: System, Version, Admin-URL, Account
  • E-Mail-Adressen: Welche laufen über die Domain, wie sind sie eingerichtet
  • SSL-Zertifikat: Wer erneuert es, wann läuft es ab
  • Drittanbieter: Google Analytics, Google Search Console, Tagmanager — wer hat Admin-Zugriff
  • Offene Aufgaben: Was erledigt noch die Agentur, was übernimmst du ab wann

Das Dokument muss kein juristisches Meisterwerk sein. Eine strukturierte E-Mail mit Bestätigung reicht. Wichtig ist, dass beide Seiten dasselbe Verständnis haben — und du im Zweifel nachlesen kannst.

Wenn du gerade noch dabei bist, eine Webseite zu planen, lohnt sich auch ein Blick auf Was kostet eine Webseite 2026? — dort erkläre ich, was in einem fairen Angebot drinstecken sollte und was versteckte Kosten sind.

Was eine gute Übergabe von einer schlechten unterscheidet

Kurze Einordnung aus der Praxis. Ich baue Webseiten für lokale Geschäfte in Heidelberg und Umgebung — Handschuhsheim, Bergheim, Weststadt, Bahnstadt. Die Übergabe ist für mich kein lästiges Ende eines Projekts, sondern ein fester Bestandteil. Weil ein Inhaber, der seine eigene Webseite versteht und eigenständig nutzen kann, langfristig besser aufgestellt ist als jemand, der für jede Kleinigkeit anrufen muss.

Das bedeutet nicht, dass du alles selbst machen sollst. Viele meiner Kunden wollen gar nicht selbst Hand anlegen — und das ist vollkommen in Ordnung. Aber du solltest könnten. Der Unterschied ist entscheidend.

Eine schlechte Übergabe erkennst du daran:

  • Du bekommst nur ein PDF mit Passwörtern, keine Erklärung
  • Die Domain ist weiterhin auf den Agentur-Account registriert
  • Du hast keinen eigenen Hosting-Login
  • Du weißt nicht, wo deine Backups sind
  • Die Agentur sagt: "Ruf einfach an, wenn du was ändern willst"

Der letzte Punkt ist besonders tückisch. Es klingt nach Service, ist aber oft Abhängigkeit. Wenn jede Textänderung eine bezahlte Anfrage auslöst und du keinen eigenen Zugang hast — dann hast du keine Webseite. Du hast eine Webseite gemietet.

Checkliste zur Webseiten-Übergabe

Zur Übersicht noch einmal alle 5 Punkte als kompakte Liste:

  1. Domain — auf deinen eigenen Registrar-Account übertragen, deine E-Mail, deine Zahlungsmethode
  2. Hosting — eigener Account beim Provider, alle Zugangsdaten in deiner Hand
  3. CMS — Admin-Account mit deiner E-Mail, kurze Einweisung, schriftliche Dokumentation
  4. Dateien und Inhalte — vollständiges Backup, Original-Bilder, Lizenzen geklärt
  5. Übergabe-Protokoll — alle Zugänge, Verträge und Verantwortlichkeiten schriftlich festgehalten

Wenn du all diese Punkte abhaken kannst, bist du als Inhaber wirklich unabhängig. Und das ist das Ziel — nicht eine Webseite, die irgendwo im Internet existiert, sondern eine, die dir gehört.

Falls du gerade eine neue Webseite planst und wissen willst, wie ich das in Heidelberg angehe — von der ersten Besprechung bis zur vollständigen Übergabe — schau dir gerne an, wie ich als Webdesigner Heidelberg arbeite.


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