Wann lohnt sich eine eigene Webseite, wann reicht das Google-Profil?
Eigene Webseite oder Google Business Profile? Für lokale Geschäfte ist die Antwort nicht immer eindeutig. Drei Fragen helfen bei der Entscheidung.
Norbert Sommer
14. Oktober 20268 Min. Lesezeit
„Ich bin bei Google zu finden, reicht das nicht?" Diese Frage höre ich in Handschuhsheim genauso wie in der Bahnstadt. Meine Antwort: manchmal ja, meistens nein. Es hängt an drei Punkten, die ich hier der Reihe nach durchgehe.
Was das Google-Profil leistet und wo es aufhört
Ein Google Business Profile (früher Google My Business) ist ein starkes Werkzeug. Du tauchst in der Kartenansicht auf, und Leute sehen Öffnungszeiten, Telefonnummer, Bewertungen und Fotos, ohne irgendwo klicken zu müssen. Bei Suchen wie „Bäcker in der Nähe" oder „Friseur Heidelberg Altstadt" bist du damit schon gut vertreten.
Was das Profil dir nicht gibt:
- Einen eigenen Auftritt. Du bist Gast auf Googles Plattform, mit Googles Design und Googles Regeln. Google kann dein Profil einschränken, sperren oder das Format ändern, ohne dich zu fragen.
- Freie Inhalte. Ausführliche Leistungsseiten, eine eigene Gliederung oder eine eigene Bildsprache sind dort nicht vorgesehen.
- Eigene Zahlen. Wer über dein Profil kommt, bleibt bei Google. Wer sich wie lange was angesehen hat, erfährst du nicht.
- Vertrauen durch Tiefe. Wer unsicher ist, ob dein Angebot passt, sucht weiter. Fehlt eine Webseite, gewinnt oft der Mitbewerber, der eine hat, selbst wenn sein Profil schwächer ist.
Das Profil ist dein Türschild, die Webseite dein Schaufenster. Beides hat seine Aufgabe.
Drei Fragen für die Entscheidung
Eine pauschale Empfehlung gibt es nicht. Diese drei Fragen helfen dir, es für dein Geschäft zu klären.
1. Brauchen Kunden Informationen, bevor sie kommen oder anrufen?
Hat jemand, der deinen Laden betritt oder anruft, schon alle Infos, oder fragt er erst nach? Ein Obst- und Gemüsestand auf dem Heidelberger Wochenmarkt braucht keine Webseite, die Entscheidung fällt vor Ort. Bei einem Zahnarzt in Neuenheim, einem Tischler aus Kirchheim oder einem Yogastudio in der Südstadt sieht das anders aus. Welche Behandlungen gibt es? Was kostet ein Kurs? Kann ich online einen Termin buchen? Darauf gibt ein Google-Profil keine ausreichende Antwort.
2. Wie umkämpft ist deine Branche im Netz?
Such selbst einmal nach deiner Leistung in Heidelberg. Haben deine direkten Mitbewerber Webseiten? Erscheinen Portale wie Treatwell, Jameda oder Yelp? Dann trittst du mit einem Profil allein gegen Anbieter an, die mehr Fläche im Suchergebnis belegen. Eine eigene Webseite verschafft dir dort mehr Platz.
3. Willst du Anfragen steuern oder nur gefunden werden?
Manchen Geschäften reicht es, sichtbar zu sein. Andere wollen ein Kontaktformular, eine Buchungsseite oder eine Produktübersicht. Das geht nur mit einer eigenen Webseite, und in diesem Fall lohnt sich die Ausgabe. Die Seite nimmt auch nachts, am Wochenende und im Urlaub Anfragen an, ohne dass du ans Telefon musst.
Direkt verglichen
| Funktion | Google-Profil | Eigene Webseite |
|---|---|---|
| Sichtbarkeit in der Karte | Ja | Nein (nur indirekt über Local SEO) |
| Öffnungszeiten und Telefon | Ja | Ja |
| Bewertungen zeigen | Ja | Ja, eingebettet |
| Leistungen ausführlich erklären | Nur grob | Ja, beliebig ausführlich |
| Eigene Bildsprache und Design | Nein | Ja |
| Kontaktformular oder Buchung | Nein | Ja |
| Kontrolle über Inhalte | Eingeschränkt | Vollständig |
| Gefunden werden über Suchbegriffe (außerhalb der Karte) | Nein | Ja |
| Kosten | Kostenlos | Ab 300 € einmalig, dazu Hosting |
| Eigene Besucherzahlen | Nein | Ja |
Faustregel: Hat ein Kunde drei Fragen, bevor er bei dir kauft, brauchst du eine Webseite. Hat er keine, reicht das Profil fürs Erste.
Beispiele aus dem Heidelberger Alltag
Ein Google-Profil kann reichen bei:
- Kiosk oder kleinem Laden mit Laufkundschaft
- Marktstand ohne Online-Bestellung
- Parkplatz-Anbieter oder einfachem Lagerservice
- Veranstaltungsort, der nur über Dritte gebucht wird
Eine eigene Webseite ist sinnvoll bei:
- Handwerksbetrieben (Sanitär, Elektro, Malerei). Viele Anfragen kommen zwar über Google Maps, das Vertrauen entsteht aber auf der Webseite (mehr dazu im Artikel Webseite für Handwerker).
- Friseuren und Kosmetikstudios, die Termine online vergeben wollen
- Arztpraxen und Therapeuten, bei denen Vertrauen schon vor dem ersten Anruf zählt
- Restaurants, die Reservierungen, Speisekarten und Aktionen zeigen wollen
- Vereinen, die Mitglieder gewinnen oder Veranstaltungen ankündigen
- Allen Betrieben, die ihre Leistung erklären müssen, und das sind die meisten
Wenn es nur das Google-Profil gibt
Ein Fall, wie ich ihn öfter sehe: Ein Handwerksbetrieb aus Handschuhsheim hat ein gepflegtes Profil mit 4,8 Sternen und 60 Bewertungen. Ein Mitbewerber aus Wieblingen hat 4,2 Sterne, dazu eine schlichte, klare Webseite mit Leistungsübersicht, Fotos fertiger Arbeiten und einem Formular. Den Auftrag bekommt der Mitbewerber, weil sich der Kunde auf dessen Webseite schon entschieden hatte, bevor er anrief.
Das Profil sorgt dafür, dass du gefunden wirst. Ob jemand anruft, entscheidet sich oft erst auf der Webseite.
Was kostet der Einstieg?
Eine eigene Webseite klingt für manche nach viel Aufwand. Für lokale Geschäfte ist der Einstieg überschaubar: Bei seivio gibt es kompakte Seiten ab 300 Euro Festpreis, ohne versteckte Kosten und ohne Monatsvertrag. Das Hosting kostet im Monat weniger als ein Mittagessen.
Dafür bekommst du eine Seite, die dir gehört und die dir niemand über Nacht sperren kann.
Was eine Webseite für dein Geschäft konkret kostet und woran der Preis hängt, steht im Artikel Was kostet eine Webseite für ein lokales Geschäft? (2026).
Und wenn du beides hast?
Dann bist du am besten aufgestellt. Das Profil bringt Sichtbarkeit in der Karte und bei lokalen Suchen. Die Webseite liefert die Inhalte, die Vertrauen schaffen und zu Anfragen führen. Außerdem stützt eine gute Webseite dein Profil: Google bewertet es positiv, wenn Adresse, Öffnungszeiten und Leistungen auf beiden übereinstimmen.
Beides gegeneinander abzuwägen, führt deshalb in die falsche Richtung. Wer sein Profil pflegt und dazu eine solide Webseite hat, liegt meist vor Mitbewerbern, die nur eines von beiden haben.
Ist dein Google-Profil noch nicht vollständig eingerichtet, hilft dir der Artikel Google Business Profile einrichten: Schritt für Schritt für lokale Geschäfte. Hast du schon eines und willst mehr daraus machen, schau dir unsere Google-Profil-Optimierung an.
Kurzes Fazit
Das Google-Profil gehört zu jedem lokalen Geschäft. Es ist kostenlos und schnell eingerichtet. Eine eigene Webseite brauchst du in den meisten Fällen auch, spätestens wenn du mehr als fünf Sätze brauchst, um zu erklären, was du anbietest.
Die Frage ist also selten „Webseite oder Profil", sondern eher, wann der richtige Zeitpunkt für den nächsten Schritt ist.
Du bist unsicher, was für dein Geschäft sinnvoll ist? Schreib mir kurz. Ich sage dir ehrlich, ob sich eine Webseite für dich gerade lohnt.